#4 Wenn die Psyche leidet




Hallo, schön das du da bist.
Heute möchte ich über etwas ganz Persönliches schreiben. Es fällt mir sehr schwer.. nicht, weil es mir Peinlich oder zu Privat ist. In meinem Kopf fliegen gerade 100.000 Worte Kreuz und quer. Wo fange ich an? Was möchte ich eigentlich Erklären? Vielleicht Hilft es mir? (vielleicht auch dir? ) Schon in meinem ersten Blogpost, habe ich dir erzählt das ich unter schweren Depressionen leide. Ich schreibe extra "schwere" da es 3 verschiedene Schweregrade gibt. Leichte Depression, Mittelschwere Depression und Schwere Depression. Schwere Depression - dies war meine erste Diagnose. Bekommen im Oktober 2015. Um diese Diagnose zu bekommen, musste ich zu einem Psychiater. Bis ich aber bereit dafür war und es mir selbst eingestehen konnte, das ich Hilfe brauche, hat 2 Jahre gedauert. 2 Jahre, in denen ich nicht wusste was mit mir los ist. Ich wollte es einfach nicht glauben und habe versucht jedes Symptom zu ignorieren. "Das wird schon.. " Sagte ich immer zu mir selbst " Du bist doch stark.. " Aber, warum habe ich mich dann Wochenlang in mein Zimmer eingesperrt? Gezuckt, wenn es an der Tür geklingelt hat? Warum gibt es diese Mauer um mich rum? Warum ist mein Körper wie gelähmt? Warum habe ich das Gefühl zu ertrinken? Es waren manchmal so viele Fragen auf einmal das ich innerlich zusammengebrochen bin. " Schwach.. du bist einfach schwach " 
Du kannst es dir so vorstellen: Da ist noch eine Person, sie ist in deinem Kopf, in deinen Gedanken und macht dich fertig. Sie kennt dich Perfekt und weiß, wo du verwundbar bist. Was klar ist, weil du diese Person bist. Du kannst nicht mal mehr in den Spiegel schauen, weil du dich selbst ankotzt. Du suchst nach Antworten auf deine 1000 Fragen. "Wann hat es angefangen? denk.. Was ist passiert? " Du Quälst dich einen Grund zu finden - einen Schuldigen! Natürlich kenne ich den Grund, ich weiß, wann es angefangen hat. Ich kann nur jetzt nicht darüber Schreiben, das ist mir jetzt zu viel. Ich habe dann angefangen mit Freunden und Familie darüber zu reden " Hab ich Depressionen oder sowas?". Dann die bekannten Sätze: "Das wird schon" "Stell dich nicht so an" "OHH jaaa das kenne ich .." "bist du jetzt ein "Emo"?" Natürlich haben nicht alle so reagiert, gerade die, die mir nah stehen, haben versucht es zu verstehen.
Wenn du es nicht selbst erlebt hast, kannst du es niemals wirklich verstehen!
Wenn es etwas ist, das du nie erlebt hast, dann kannst du es noch so sehr versuchen, aber du wirst nie verstehen, wie es sich anfühlt. Du hast einen schlechten Tag? Nein, das sind keine Depressionen. Du bist enttäuscht, weil dieses Mädchen oder dieser Junge deine Annäherungsversuche abgewiesen hat? Nein, das sind keine Depressionen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem Gefühl, depressiv zu sein und tatsächlich unter Depressionen zu leiden. Wenn die Depression dich im Griff hat, wird das Leben zu Wasser. Die Luft um dich herum wird zu Wasser, die dich mit seinem Gewicht lahmlegt und selbst die einfachsten Aufgaben sind auf einmal zu schwierig. Du fühlst dich träge, geistig wie körperlich und nichts kann dich daraus befreien. Gehen wir  aber nochmal zurück. Ich sitze also beim Psychiater, beantworte weinend und verkrampft seine Fragen. Ich schaue mich um, während er etwas in den PC tippt. Ein großer, ziemlich leerer und abgedunkelter Raum. "Akten.. da ist auch irgendwo die Akte von meinem Papa..". Dann kam das Wort, das ich nicht hören wollte, aber wusste das es kommt 
" Klinik"" Ich kann nicht.. ich habe einen Hund", war meine Ausrede.. sehr Kreativ. Er hat nicht gelächelt, als ob ich mir noch nicht dumm genug vorkomme. Eine Woche später habe ich zugesagt. 6 Wochen Klinik. Täglich 9-16 Termine. Untersuchungen, Besprechungen. Gruppentherapien, Physiotherapie usw. Nochmal die Diagnose: schwere Depression. Nach kurzer Zeit in der Klinik weitere Diagnosen und Störungen (Symptome) : Posttraumatische Belastungsstörung, Anpassungsstörung, chronische Kopfschmerzen und Angststörung. Natürlich waren sie der Meinung, Tabletten würden helfen.. Nebenwirkung: Schlafstörung ( Rate mal...) , Angstzustände ( Rate mal...), Selbstmordgedanken und vieles mehr.. Mit unter aber das schlimmste, ich war Alleine. Das heißt ich habe meinen ganzen Kummer selbst abbekommen, alleine in meinem Einzelzimmer. Nach einer gewissen Zeit haben die Tabletten angefangen zu wirken. Ich war betäubt.. anders kann ich es nicht beschreiben. Ich konnte, auch wenn sich das seltsam anhört nicht mehr Nachdenken, keine Bilder mehr, kein Zusammenhang mehr. Wieder zu Hause, war ich anfangs Motivierter und positiver. Man konnte zusehen, wie sich das nach kurzer zeit wieder änderte. Der Klinikalltag war weg. Ich war wieder auf mich alleine gestellt, nebenan im Zimmer war kein Psychologe mehr, kein Notfall Knopf. Nur ich, die so getan hat, als ob alles wieder besser wird. Natürlich habe ich auch zu Hause weiterhin montags eine Therapiesitzung - Immer noch.. Man versucht mir Sachen zu erklären und klar zu machen die ich schon weiß. Jeden Montag wird eine neue "Tür geöffnet".. eine Wunde geöffnet. Es gibt kleine fortschritte, Fragen die eine Antwort bekommen, aber auch massenhaft Rückschläge. "Das ist normal" bekomme ich dann immer zu hören, wenn die 50 Minuten um sind. Du bist im Grunde in deinem eigenen Gefängnis eingesperrt und wenn du manchmal auch noch die "Frechheit" besitzt zu lachen, weil du aus irgendeinem Grund kurz glücklich bist ( Hallo Stimmungsschwankung ), zahlst du dieses Lachen mit einem schlechten Gewissen. Vorwürfen und weiteren 1000 Fragen. Bis du aufhörst du lachen und wieder in deiner Realität bist.

Auch wenn der Text eine gewisse Länge hat, ist es nur ein kleiner Einblick in mein Leben.
Ich hoffe mein Bericht hat dir trotzdem gefallen.
Wenn du dich für mehr darüber Interessierst lass mir doch ein Kommentar da, gerne auch Fragen, wenn du welche hast. Solltest du dich in dem was ich geschrieben habe wieder erkennen, vertraue dich deinem Hausarzt an. 


Yulice - 30.März.17